Erster gehörloser Parlamentarier in Deutschland: “Inklusion statt Integration”
| 13. Januar 2012 | Eingefügt unter Presse |
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aus Aktion-Mensch.de
Rund 80.000 Menschen in Deutschland sind gehörlos. Trotz dieser großen Zahl wurde erst im Jahr 2011 ein gehörloser Politiker in ein Deutsches Parlament gewählt. Martin Zierold (26) ist Abgeordneter der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte.
“Eine meiner Visionen wäre es, dass die Gebärdensprache neben Deutsch zur Amtssprache wird”, sagte Zierold gegenüber der taz. Und der Grünen-Politiker fordert, dass gehörlose Kinder in der Gebärdensprache unterrichtet werden: “Es ist ein unmöglicher Zustand, dass an den Gehörlosenschulen noch immer nicht alle Lehrer die Gebärdensprache beherrschen. Selbst hier in Berlin: Die Witzleben-Schule in Friedrichshain ist die einzige Schule, an der Schwerhörige und Taube Abitur machen können. Aber es wird nicht in der Sprache unterrichtet, die taube Menschen verstehen. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen”, so Zierold im taz-Interview.
Martin Zierold wurde 1985 geboren und wuchs in Sachsen auf. Er ist von Geburt an taub, wie seine Eltern. Er hat einen Realschulabschluss – auf das Abitur verzichtete er, da es keine bilingualen Schulangebote gab. Nach seinem Schulabschluss besuchte er eine Gehörlosenfachschule in Rendsburg und schloss die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten ab. Zurzeit arbeitet er bei der Sinneswandel gGmbH als Betreuer im Jugendclub. Zusätzlich ist er freiberuflich als staatlich anerkannter Gebärdensprachdozent tätig.
Inklusion steht ganz oben auf Zierolds politischer Agenda. Da überrascht es nicht, dass ihn seine Fraktion zu ihrem Sprecher für dieses Thema ernannt hat. “Aufgrund meiner angeborenen Taubheit sehe ich meinen persönlichen wie politischen Auftrag in der Umsetzung der UN-Konvention”, heißt es auf Zierolds Homepage. Und weiter: “Ziel ist die Chancengleichheit behinderter Menschen und die Vermeidung von Diskriminierung. Wichtig ist dabei das Paradigma ‘Inklusion statt Integration’. Inklusion bedeutet, dass die Betroffenen in vollem Umfang auf allen Ebenen an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen können und sollen, wobei eine gleichberechtigte Teilhabe unter völliger Beibehaltung der individuellen Autonomie ermöglicht wird.”
Heiko Kunert
Quelle: http://www.aktion-mensch.de/blog/eintrag.php?id=109
Politischer Sprecher für Inklusion und Soziale Stadt/QM
| 18. Dezember 2011 | Eingefügt unter Allgemein, Berlin Mitte |
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Hallo liebe Freunde,
hiermit möchte ich Euch informieren, dass ich für den Bezirk Mitte nun das Amt des fachpolitischen Sprechers für soziale Stadt übernommen habe. In dieser Funktion verfolge ich v.a. den Diversity Ansatz und möchte zu einem bunten Zusammenleben der verschiedenen Menschengruppen beitragen, die im gegenseitigen Respekt und im Austausch mit einander leben sollen. Hierbei stehe ich im engen Kontakt mit den jeweiligen Quartiersmanagements.
Zudem bin ich ganz allgemein inklusionspolitischer Sprecher und möchte mich stark für die Umsetzung von Inklusion im Bezirk einsetzen.
In folgenden Ausschüssen bin ich Mitglied: ‘Schule’, ‘Transparenz und Bürgerbeteiligung’ und ‘soziale Stadt, Verkehr, Grünfläche’.
Ich würde mich gerne im Neuen Jahr einmal mit Euch zusammensetzen, dann können wir vielleicht ganz konkret besprechen, welchen Bedarf es für die tauben Bürgerinnen und Bürger in der Stadt gibt und welche Fördermöglichkeiten eventuell über das Konzept ‘soziale Stadt’ bestehen…
Ich wünsche Euch allen erholsame Feiertage und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr…
Gebärdensprachige Grüße
Martin Zierold
Beschlüsse – Die Vielfalt leben – für eine inklusive Gesellschaft
| 30. November 2011 | Eingefügt unter Allgemein |
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BVV Mitte: erste konstituierende Sitzung
| 3. November 2011 | Eingefügt unter Allgemein |
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Grüne Fraktion BVV Mitte
(Foto von www.gruene-mitte.de)
Die erste BVV Sitzung fand am 27. Oktober statt. Die Sitzung wurde in neuem Rathaus Mitte eröffnet. Auf eine gute Zusammenarbeit!
BVV in Rathaus Mitte
| 21. Oktober 2011 | Eingefügt unter Allgemein, Berlin Mitte |
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Politik mit Gebärden
| 21. Oktober 2011 | Eingefügt unter Allgemein, Presse |
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Mitte hat gewählt. Wir Grüne konnten im Vergleich zum letzten Mal kräftig zulegen und können nun 15 Kandidaten und Kandidatinnen in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) entsenden. Erstmals wird sich unter den künftigen BVV-Verordneten mit Martin Zierold auch ein tauber Verordneter befinden. Er ist mit dem Ziel angetreten, sich in der BVV Mitte für kommunikative Barrierefreiheit und schulische Inklusion von Kindern mit und ohne Behinderung einzusetzen.
In die BVV kommt mit Martin ein neuer Wind hinein. Ab sofort wird bei allen Fraktionssitzungen und Fachausschüssen, in denen Martin arbeitet, auch Gebärdensprache gesprochen und übersetzt. Dafür wird er von zwei Gebärdensprachdolmetschern und einer Schreibassistenz begleitet. Diese werden vom Bezirk bestellt, der auch die Kosten für diese notwendige Unterstützung übernimmt. Diese Kosten sind bereits in einer ersten Planung mit 20.000 Euro im Doppelhaushalt 2012/2013 eingestellt.
Mit Martin stellen wir Grüne aus dem grünen Kreisverband Mitte das erste taube Parlamentsmitglied in Deutschland. Dabei sind andere Länder schon ein Stück weiter. So gibt es bereits in der österreichischen Nationalversammlung mit Helene Jarmer und im isländischen Parlament mit Sigurlín Margrét Sigurdardóttir zwei weibliche gehörlose Parlamentarierinnen sowie im Europäischen Parlament mit Ádám Kósa ein weiteres gehörloses Mitglied eines Parlaments. Sie alle gestalten Politik überaus erfolgreich getreu dem Motto „Nichts über uns ohne uns“.
(Ulrike Bürgel)
Berlin Mitte BVV Wahl 2011: Martin Zierold
| 16. September 2011 | Eingefügt unter Allgemein, Presse |
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Politik der fliegenden Hände
| 15. September 2011 | Eingefügt unter Allgemein, Presse |
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Martin Zierold ist von Geburt an gehörlos und kandidiert in Berlin für die Bezirksverordnetenversammlung. Damit hat erstmals ein Gehörloser einen aussichtsreichen Listenplatz für eine Kommunalwahl erhalten.
Dass das Thema Bildung Martin besonders beschäftigt, erkennt man schnell. Dann werden seine Gebärden impulsiver und seine Mimik energischer. Während seine Hände durch die Luft fliegen, formt er mit dem Mund Worte, die er selbst nicht hört. Seine Kommunikationsassistentin muss ihn mehrmals unterbrechen, weil sie mit dem Dolmetschen nicht hinterherkommt, so schnell gebärdet er. Der 26-Jährige hätte selber gern Abitur gemacht, konnte aber nicht, weil es in Deutschland kaum Schulen gibt, die Taube bilingual, also in Laut- und Gebärdensprache, unterrichten. Das will er ändern. Barrierefreie Bildung steht ganz oben auf seiner politischen Agenda.
Es ist Donnerstag, bis zur Wahl sind es noch vier Tage. Martin ist nervös. Es gibt in Deutschland weder in kommunalen, noch in Landesparlamenten taube Abgeordnete. Martin wäre der erste. Allein im österreichischen, im belgischen und im Europaparlament sitzt jeweils ein tauber Abgeordneter oder eine Abgeordnete.
Heute unterstützt er die Direktkanditin für Berlin-Mitte, Silke Gebel, beim Flyer verteilen. Wenn er den Vorbeigehenden das Wahlprogramm in die Hand drückt, merkt niemand, dass Martin nicht hören kann. Erst wenn Fragen kommen, holt er seine Dolmetscherin dazu. „Die meisten Leute sind dann erstmal überrascht. Aber abwehrend reagiert niemand“, übersetzt sie später im Gespräch für ihn. Als Kandidat für die Bezirksverordnetenversammlung wird er nicht direkt, sondern über die Liste der Partei gewählt. Er steht auf Platz 14. „Das ist schon sehr gut, mehr als ich erwartet hatte. Es könnte aber trotzdem knapp werden.“ 22 Prozent müsste die Partei im Bezirk Mitte holen, damit Martin in die Versammlung kommt. Bisher sagen die Umfragen knapp 20 Prozent voraus.
Am Wahlstand in Mitte verabschiedet sich Silke Gebel. Sie muss zum nächsten Termin. Martin hält sie auf. Wenn sie am Sonntag ins Abgeordnetenhaus gewählt wird, müssten sie sich danach unbedingt mal zusammen setzen, übersetzt ihr Martins Dolmetscherin. Er würde gern die Homepage der Fraktion umgestalten: Mehr Gebärdensprachvideos, mehr vorgelesene Texte für Blinde, und es sollte die Funktion geben, die Schrift zu vergrößern – für Sehbehinderte. Silke findet das eine gute Idee, das solle er beim nächsten Landesvorstand auf die Tagesordnung setzen. Martin nickt zufrieden, Daumen hoch: „Super“.
Martins Kopf ist voll mit Ideen. Die Einbeziehung Behinderter in die Politik steht noch ganz am Anfang, wird aber in den nächsten Jahren wachsen, meint er. Als er vor zwei Jahren zu den Grünen kam, wollte er sich eigentlich nur mal informieren, was die Partei zum Thema Bildungsbenachteiligung von Behinderten zu sagen hat. Viel, aber noch nicht genug, fand er und fuhr zum Bundeskongress der Grünen Jugend. Dort war er nicht der einzige Taube. Es entstand eine kleine Gruppe innerhalb des Parteinachwuchses, die sich nach und nach in die politische Arbeit einbrachte. Martin hat den Arbeitskreis „Sign“ gegründet, der sich an allen Themen der Partei beteiligt. Wenn er heute zu den Treffen der Grünen Jugend geht, hat er meistens einen Kommunikationsassistenten dabei. Aber selbst wenn nicht, klappt der Austausch mit Händen und Füßen auch ganz gut, sagen seine Parteikollegen.
Auf die Idee, sich um eine Kandidatur für die Bezirksverordnetenversammlung zu bewerben, hat ihn eine hörende Parteikollegin gebracht. „Wenn man was bewegen will, dann braucht man dazu ein Amt und muss Schritt für Schritt nach vorne gehen.“ Martins erster Schritt war die Bewerbung um einen Listenplatz. Dafür musste er ein Motivationsschreiben verfassen und vor der Fraktion eine Rede halten. Es ging um den Abbau von Hindernissen in der Öffentlichkeit. Martin bemängelte die einsprachige Verwaltung und die für Gehörlose oft schwer verständlichen Webseiten des öffentlichen Dienstes. Eine Dolmetscherin hat die Rede übersetzt. Danach wurde er einstimmig für den Listenplatz gewählt. „Was für ein Erfolg“. Martin lächelt. Dass er stolz ist, erkennt man auch ohne seine Hände zu verstehen.
Martin will mit seiner Kandidatur andere Behinderte ermutigen, sich für ihre Rechte einzusetzen. Dass viele das bisher nicht machen, liegt unter anderem an der Bildung, findet er. „Den Meisten fehlt einfach das Selbstbewusstsein. Ihnen muss in der Schule vermittelt werden, dass sie auf ihre Situation aufmerksam machen müssen und sie verändern können, wenn sie das wollen.“ Darauf hat er auch seinen Wahlkampf ausgerichtet. Er hat harte Wochen hinter sich. Er hat das Wahlprogramm der Grünen in Gebärdensprache übersetzt, weil Taube Informationen viel besser aufnehmen können, wenn sie sie in Gebärden sehen, als wenn sie sie lesen. Er hat an Podiumsdiskussionen teilgenommen und in Gehörlosenzentren referiert.
Wenn er in die Bezirksverordnetenversammlung gewählt wird, bräuchte er mindestens zwei Dolmetscher und einen Assistenten. „Hörende können einer Rede folgen und gleichzeitig mitschreiben. Das geht bei mir nicht. Ich muss mich ganz auf den Dolmetscher konzentrieren. Das ist sehr anstrengend“, sagt Martin. Sein Engagement in der BVV wäre ehrenamtlich. Hauptberuflich arbeitet er als Gebärdensprachdozent und in einem Jugendzentrum für Gehörlose.
Seine politische Zukunft? Auf Bundesebene sieht sich Martin erstmal nicht. Weil Bildung im Förderalismus dezentral ist, ist sein vorläufiges Ziel die Landesebene. Da kann er für sein Thema mehr bewegen.
(Quelle: Anne Fromm, http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/530641/Politik-der-fliegenden-Haende)
Das grüne Wahlprogramm “10 für Berlin” in Gebärdensprache
| 1. September 2011 | Eingefügt unter Allgemein |
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